Warum die Eingewöhnung im August besonders anspruchsvoll ist In den meisten Schweizer Kitas beginnt das Betriebsjahr im August. Kinder, die in den Kindergarten übertreten, verlassen die Einrichtung, und ihre Plätze werden neu besetzt. Das führt dazu, dass sich Eingewöhnungen nicht über das Jahr verteilen, sondern sich in wenigen Wochen ballen.

Erschwerend kommt hinzu, dass genau in dieser Zeit personelle Wechsel stattfinden: Ausgelernte Fachpersonen treten neue Stellen an, Lernende starten ihre Ausbildung, und Ferienabwesenheiten aus dem Sommer wirken teilweise noch nach. Die Eingewöhnungsphase in der Kinderkrippe trifft also auf ein Team, das selbst in Bewegung ist.
Wer diese Gleichzeitigkeit nicht einplant, riskiert eine Überlastung: Bezugspersonen sind gebunden, die Gruppendynamik ist instabil, und die verbleibenden Mitarbeitenden fangen zusätzliche Aufgaben auf. Eine gute Vorbereitung im Frühsommer entlastet deshalb den ganzen Herbst.
Die Eingewöhnung ist weit mehr als eine organisatorische Übergangsphase. Sie ist der Aufbau einer tragfähigen Bindung zwischen Kind und Bezugsperson – und damit die Grundlage für alles, was danach kommt.
Drei Prinzipien sind entscheidend:
Feste Bezugsperson: Jedes Kind wird von einer klar benannten Fachperson begleitet, die während der gesamten Eingewöhnung präsent bleibt. Wechselnde Zuständigkeiten verlängern den Prozess erheblich.
Individuelles Tempo: Kinder unterscheiden sich stark darin, wie schnell sie Sicherheit gewinnen. Eine feste Dauer vorzugeben, führt fast immer dazu, dass ein Teil der Kinder überfordert wird.
Begleitung durch die Eltern: Das Kind löst sich nicht vom Elternteil, sondern hin zur neuen Bezugsperson. Eltern sind in der Anfangsphase kein Störfaktor, sondern der sichere Hafen, von dem aus die Erkundung beginnt.
In der Deutschschweiz orientieren sich die meisten Kitas an zwei etablierten Modellen. Beide sind gut dokumentiert und lassen sich an die eigene Konzeption anpassen.
Das Berliner Modell ist das bekannteste und am klarsten strukturierte Vorgehen. Es verläuft in vier Phasen:
In der Grundphase begleitet ein Elternteil das Kind an rund drei Tagen für jeweils ein bis zwei Stunden in die Gruppe. Ein Trennungsversuch findet in dieser Zeit bewusst nicht statt. Die Bezugsperson nimmt vorsichtig Kontakt auf, ohne sich aufzudrängen.
Am vierten Tag folgt der erste Trennungsversuch: Der Elternteil verabschiedet sich klar und verlässt den Raum für wenige Minuten. Die Reaktion des Kindes gibt Aufschluss darüber, wie es weitergeht – lässt es sich von der Fachperson trösten, kann die Eingewöhnung zügiger verlaufen.
In der Stabilisierungsphase werden die Trennungszeiten schrittweise ausgedehnt, und die Bezugsperson übernimmt zunehmend pflegerische Aufgaben wie Wickeln oder Füttern.
In der Schlussphase verlässt der Elternteil die Einrichtung, bleibt aber jederzeit erreichbar. Abgeschlossen ist die Eingewöhnung erst, wenn sich das Kind zuverlässig von der Fachperson trösten lässt.
Das Münchner Modell setzt stärker auf die Gruppe als Ganzes. Es beginnt mit einer Kennenlernphase von rund einer Woche, in der bewusst noch keine Trennung stattfindet. Das Kind erkundet den Alltag gemeinsam mit dem Elternteil und wird dabei auch von den bereits eingewöhnten Kindern in die Gruppe hineingeholt.
Erst danach folgt die eigentliche Sicherheitsphase mit den ersten Trennungen. Das Modell eignet sich besonders für Einrichtungen mit stabilen Gruppen und altersgemischtem Aufbau.
Beide Modelle funktionieren – entscheidend ist, dass Ihr Team konsequent nach einem gemeinsamen Verständnis arbeitet. Halten Sie das gewählte Vorgehen schriftlich in Ihrem pädagogischen Konzept fest und schulen Sie neue Mitarbeitende darauf ein. Nichts verunsichert Eltern mehr als widersprüchliche Aussagen aus demselben Team.
Rechnen Sie in der Regel mit zwei bis vier Wochen. Kürzere Verläufe von etwa einer Woche kommen vor, sind aber die Ausnahme und meist auf ältere Kinder mit Vorerfahrung in Betreuungssituationen beschränkt.
Kommunizieren Sie diese Spanne von Anfang an offen gegenüber den Eltern. Viele Familien planen den Wiedereinstieg in den Beruf knapp und geraten unter Druck, wenn die Eingewöhnung länger dauert als erwartet. Ein klarer Hinweis bereits beim Vertragsgespräch verhindert Enttäuschungen und Konflikte im laufenden Prozess.
Praxis-Tipp: Empfehlen Sie den Eltern, in der ersten Woche nach Abschluss der Eingewöhnung noch nicht zu 100 Prozent zu arbeiten. Rückschritte nach einem Wochenende oder einer Erkältung sind normal und lassen sich mit etwas Puffer deutlich entspannter auffangen.
Die Qualität der Elternkommunikation entscheidet oft mehr über den Verlauf als das gewählte Modell.
Vor dem Start: Führen Sie ein ausführliches Aufnahmegespräch, in dem Sie Schlaf- und Essgewohnheiten, Trösterituale, Allergien und die Familiensprache erfassen. Erklären Sie den Ablauf der Eingewöhnung Schritt für Schritt und benennen Sie die zuständige Bezugsperson namentlich.
Während der Phase: Klare Verabschiedungsrituale sind zentral. Bitten Sie Eltern, sich immer bewusst und sichtbar zu verabschieden – heimliches Verschwinden untergräbt das Vertrauen des Kindes nachhaltig. Ein kurzes tägliches Feedback von zwei bis drei Minuten beim Abholen reicht meist aus, um Unsicherheiten aufzufangen.
Nach Abschluss: Ein kurzes Reflexionsgespräch nach etwa vier bis sechs Wochen rundet den Prozess ab. Es signalisiert Professionalität und stärkt die Bindung der Familie an Ihre Kita – ein Faktor, der sich später in Weiterempfehlungen auszahlt.
Eingewöhnungen binden Ressourcen. Eine Fachperson, die ein neues Kind begleitet, steht der Gruppe nur eingeschränkt zur Verfügung. Diese fünf Massnahmen haben sich bewährt:
Starttermine staffeln: Vermeiden Sie es, mehr als zwei Kinder pro Woche und Gruppe neu aufzunehmen. Ein zeitlicher Versatz von einigen Tagen entlastet das Team spürbar.
Bezugspersonen früh festlegen: Klären Sie die Zuständigkeiten bereits im Juni oder Juli, nicht erst in der Startwoche.
Dienstpläne anpassen: Legen Sie die Arbeitszeiten der Bezugspersonen so, dass sie in den entscheidenden Vormittagsstunden verlässlich präsent sind.
Ferien bewusst planen: Eine Bezugsperson sollte während der von ihr begleiteten Eingewöhnung nicht in die Ferien gehen. Das klingt selbstverständlich, geht in der Praxis aber häufig unter.
Personallücken frühzeitig schliessen: Wenn absehbar ist, dass Ihr Team im August nicht vollständig besetzt sein wird, sollten Sie offene Stellen bereits im Frühsommer ausschreiben. Wie Sie auch kurzfristig noch qualifizierte Fachpersonen finden, lesen Sie in unserem Beitrag zum Fachkräftemangel im Sommer.
Nicht jede Eingewöhnung verläuft nach Plan. Achten Sie auf diese Anzeichen:
Das Kind lässt sich über mehrere Tage hinweg nicht von der Bezugsperson trösten
Es verweigert dauerhaft Essen oder Schlaf in der Kita
Es zeigt sich durchgehend teilnahmslos statt zu protestieren – stille Rückzugsreaktionen werden häufig übersehen
Zu Hause treten deutliche Veränderungen auf, etwa Schlafstörungen oder starke Klammertendenzen
In solchen Fällen ist ein Schritt zurück kein Rückschlag, sondern fachlich richtig. Verkürzen Sie die Trennungszeiten wieder und suchen Sie zeitnah das Gespräch mit den Eltern. Eine transparent kommunizierte Verlängerung ist immer besser als eine erzwungene Eingewöhnung, die später zu einem Abbruch führt.
Eine gelungene Eingewöhnung braucht zwei Voraussetzungen: ein vollständig besetztes Team und Familien, die Ihre Kita bewusst gewählt haben, weil sie zu ihnen passt.
Bei beidem unterstützt Sie Kinderkrippe.ch als spezialisierte Plattform für die Schweizer Kinderbetreuung. Über Stelleninserate erreichen Sie gezielt Fachfrauen und Fachmänner Betreuung EFZ, Gruppenleitungen und Kita-Leitungen, die aktiv nach einer neuen Stelle suchen – ohne Streuverluste über fachfremde Kanäle. Gleichzeitig macht Ihr Kita-Profil Ihr pädagogisches Konzept für Eltern sichtbar. Familien, die Ihre Haltung zur Eingewöhnung bereits vor der Anmeldung kennen, kommen mit realistischen Erwartungen – und das erleichtert den Start für alle Beteiligten spürbar.
In der Regel zwei bis vier Wochen. Das genaue Tempo bestimmt das Kind. Ältere Kinder mit Betreuungserfahrung benötigen manchmal nur eine Woche, während jüngere oder besonders zurückhaltende Kinder deutlich mehr Zeit brauchen.
Ein vierphasiges Vorgehen aus Grundphase, erstem Trennungsversuch, Stabilisierungsphase und Schlussphase. Es gilt als das am klarsten strukturierte Modell und ist in der Deutschschweiz weit verbreitet.
Nicht dann, wenn das Kind nicht mehr weint, sondern dann, wenn es sich zuverlässig von der Bezugsperson trösten lässt und den Kita-Alltag aktiv erkundet. Protest bei der Verabschiedung darf weiterhin vorkommen.
Weil das Schweizer Kita-Jahr im August beginnt. Kinder, die in den Kindergarten übertreten, verlassen die Kita, und die frei werdenden Plätze werden zeitgleich neu besetzt.
Empfehlenswert sind maximal zwei Kinder pro Woche und Gruppe. Mehr gleichzeitige Eingewöhnungen binden zu viele personelle Ressourcen und beeinträchtigen die Stabilität der bestehenden Gruppe.
Die Eingewöhnung ist die anspruchsvollste, aber auch die wirkungsvollste Phase im Kita-Jahr. Wer sie sorgfältig plant, legt das Fundament für eine tragfähige Beziehung zum Kind, für Vertrauen bei den Eltern und für einen ruhigen Herbst im Team.
Entscheidend sind drei Dinge: ein im Team einheitlich verstandenes Modell, eine offene und frühzeitige Kommunikation mit den Familien – und eine Personalplanung, die der zusätzlichen Belastung im August tatsächlich Rechnung trägt. Wer diese Voraussetzungen schafft, erlebt den Start ins neue Kita-Jahr nicht als Ausnahmezustand, sondern als gut vorbereiteten Übergang.
Eine gelungene Eingewöhnung braucht Fachpersonen, die Zeit für die Kinder haben. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Team im August vollständig ist – und dass Familien Ihre Kita finden, bevor die Plätze vergeben sind.
Veröffentlichen Sie Ihre offenen Stellen jetzt auf Kinderkrippe.ch und präsentieren Sie Ihre Kita dort, wo Schweizer Familien und Fachpersonen suchen.
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